Wolfgang Jeschke 1936 – 2015



Wolfgang

Wolfgang Jeschke, Frankfurter Buchmesse 2005, (Copyright: Peter Fleissner)

Ich begegnete ihm das erste Mal auf der Frankfurter Buchmesse 1986. Als junger, unerfahrener Illustrator zog ich um die Häuser, auf der Suche nach Jobs. Friedel Wahren und Wolfgang Jeschke hießen mich willkommen, begutachteten meine Bilder und waren angetan – der Beginn einer langen und warmherzigen Freundschaft. Wenn ich Arbeit brauchte, ein Anruf oder ein Besuch in der Türkenstraße in München genügten und ich bekam einen Stapel Aufträge. Niemals musste ich über Bildinhalte diskutieren. Was ich lieferte, wurde gedruckt. Ich genoss die vollkommene künstlerische Freiheit, was mir rückblickend betrachtet wie ein Wunder vorkommt.

Midworld

Midworld (Die denkenden Wälder) – Ölfarbe auf Malkarton 1989

In diesem herzlichen Arbeitsklima entstanden einige meiner schönsten Arbeiten. Bilder zu Asimovs „Foundation“-Zyklus, Brian Aldiss „Helliconia“-Trilogie und Iain Banks „Kultur“-Romane. Wolfgang, selbst ein begeisterter Sammler von phantastischer Kunst, förderte und forderte mich, wo er nur konnte. Bis hin zu dem Punkt, an dem er es für wert befand, einige meiner Arbeiten zu kaufen. Und so bin ich stolz und geehrt, dass Gemälde wie „Die denkenden Wälder“ in seinen Besitz gelangten und ihm dort – so hoffe ich – viele Jahre Freude bereitet haben.
So wie mir erging es vielen, die Wolfgang kennen und schätzen gelernt hatten. Ich bin sicher, dass die Nachricht sie genauso betroffen macht. Nicht nur, weil mit ihm einer der wichtigsten Autoren und Förderer deutscher Science Fiction von uns gegangen ist, sondern vor allem, weil wir alle einen guten Freund verloren haben. Auch wenn unser Kontakt in den letzten Jahren immer seltener wurde, so darf ich doch sagen, dass Wolfgang einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben war. Sein Tod reißt eine gewaltige Lücke, die nie wieder gefüllt werden kann.
Gute Reise, alter Sternenwanderer.

Veröffentlicht unter Allgemein, News
2 Kommentare auf “Wolfgang Jeschke 1936 – 2015
  1. RoM sagt:

    Salut, Thomas.
    Mich erreichte die Nachricht von Wolfgang Jeschkes Tod im Radio. Dennis Scheck widmete Ihm in seiner „Büchermarkt“-Sendung eine ausführliche Würdigung.
    Bevor mir 1986 das Fandom ein Begriff war, kannte ich bereits seinen Namen als den Herausgeber der hiesig publizierten SF.

    Ich denke künstlerische Freiheit & regelmäßige Aufträge sind im Buchgeschäft ein glückliches Los. Dies zumal dann wenn die Macher den künstlerischen Wert vor die Profitmaximierung stellen. Bücher als Kulturgut sehen – nicht als Ford-T.

    Die vielen Nachrufe im Net offenbaren, daß Wolfgang Jeschke nicht vergessen war.

    Ka Pa auch für Dein in memoriam.

    bonté

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