Neues Interview



11072185_464769577008641_454740617_nAuf Fantasy-News.com ist ein neues Interview online gegangen. Wie könnte es anders sein, geht es dabei um Devil’s River.

Lieber Thomas, welche Farbe und welche Schlagworte beschreiben Deinen neuen Roman am besten?

Herbstgold und Wintergrau – Unschuld und Unheil.

Warum stellst Du “Devil’s River” Zitate aus Shakespeares Sommernachtstraum und aus dem Märchen Die Schöne und das Biest voran?

Weil ich den Zauber und die Schönheit des „Indian Summers“ auf das schleichende Grauen einer zerstörten Seele treffen lassen wollte. Licht trifft auf Dunkelheit, sowohl in der geheimnisvollen Welt der Algonkin-Indianer, als auch in den Seelen der beiden Hauptfiguren.

Du siehst das neue Buch in gewisser Weise als Western. Hattest Du Lust auf etwas ganz anderes?

Definitiv. Ich kann nicht immerzu den gleichen Roman schreiben, ich brauche neue Ziele und Herausforderungen. In diesem Fall war es die Idee eines Psychothrillers, der auf zwei Zeitebenen spielt und gleichzeitig ein historisch/mythologisches Element enthält.

Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen: Die Londoner Studentin Eve in der Jetzt-Zeit, und River, die beim Stamm der Ojibwe im Kanada des ausgehenden 19. Jhd. lebt. Stellst Du uns diese beiden Figuren bitte kurz vor?

Eve ist eine Medizinstudentin, die in einer unglücklichen Beziehung steckt und unter ihrer dominanten Mutter leidet.

River die Tochter zweier Landvermesser, die nach dem gewaltsamen Tod ihrer Eltern von Indianern aufgezogen wurde.

Trotz aller kulturellen Unterschiede sind Eve und River einander sehr ähnlich. Beide sind Außenseiter. Sie haben ein vergleichbares Alter und stehen an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Beide müssen erfahren, dass große Teile ihres Lebens auf einer Lüge beruhen. Einer Lüge, die selbst ihr nächstes familiäres Umfeld betrifft.

Gleich zu Beginn des Romans erfahren wir von den schauderhaften Totentrommeln der Algonkin. Gibt es diese Legende wirklich oder entspricht dieses Detail Deiner Fantasie?

Es gibt diese Legende wirklich und ich war überrascht zu erfahren, dass noch kein Schriftsteller sich ihrer angenommen hat. Glück für mich ;-)

Ist es das erste Mal, dass Du einen Roman in der Ich-Form schreibst? Vor welche Herausforderungen hat Dich das gestellt?

Es werden ja nur Teile in der Ich-Form erzählt. Zwei Drittel des Romans sind in personaler Erzählform, also in der 3.Person geschrieben. Die Vermischung dieser Perspektiven ist nicht ohne Risiken, hat aber, wie ich finde, bei den zwei streng getrennten Erzählsträngen gut funktioniert. Für den Leser bringt es den Vorteil, dass er sich anhand der Erzählstimmer immer sofort orientieren kann.

Das Haus, in dem Eve lebt, und die Londoner Gegend, in der es steht, beschreibst Du sehr plastisch. Hast Du die Örtlichkeiten selbst besucht?

London ist meine zweite Heimat, ich liebe diese Stadt. Und klar kenne ich die Gegend. Wenn ich mir aussuchen dürfte, wo ich gerne leben würde, DAS wäre ein ganz heißer Kandidat.

Man wirft deutscher Literatur gern mal vor, nicht „vielfältig“ genug zu sein, was den ethnischen Hintergrund der Charaktere angeht. Vermeindet man solche Figuren beim Schreiben gern?

Ich halte das für Unsinn. Heutzutage stehen uns Autoren so viele Möglichkeiten der Recherche zur Verfügung, dass man als Autor hier aus dem Vollen schöpfen kann.

Ich gebe aber gerne zu, dass ich sehr froh war, mit Vernon Cook, einem Amerikaner, der in der Geschichte seines Landes sehr bewandert ist, einen kompetenten Partner an meiner Seite gehabt zu haben.

Neulich standest Du für die ARD Doku-Reihe GEHEIMNISVOLLE ORTE – Der Brocken vor der Kamera. Wie war das?

Eine wundervolle Erfahrung, wie es sie leider viel zu selten gibt. Das Team des MDR, unter Leitung des Filmemachers Michael Erler, besuchte mich in Stuttgart um mich zu interviewen und mich beim Malen zu zeigen.

Danach trafen wir uns auf dem höchsten Berg Norddeutschlands, dem Brocken, für weitere Aufnahmen. Spektakulär! Wer noch nie ein Brockengespenst zu Gesicht bekommen hat, hier kann man es sehen.

Die Sendung wird im Herbst im MDR wiederholt.

Nach dem Buch ist vor dem Buch: Woran schreibst Du als nächstes?

Es wird ein Wiedersehen mit meiner Lieblingsfigur Hannah Peters geben. Ein Roman, den ich, thematisch gesehen, als direkten Nachfolger des Bestsellers “Medusa” betrachten würde. Viele Dinge, die in Medusa noch ungeklärt waren, werden hier aufgelöst.

Diesmal geht es in den Nahen Osten, genauer gesagt in den Norden Iraks und ins Zentrum des Krisengebietes. Es geht um die Erforschung eines Bauwerkes, das jedem aus der Bibel bekannt sein dürfte. Abenteuerroman und Archäologiestory treffen auf Politthriller. Eine explosive Mischung, wie ich finde – und wieder eine neue Herausforderung für mich.

Das klingt spannend! Vielen Dank!

(Das Interview führte Christian Handel)

Veröffentlicht unter Allgemein, News
Ein Kommentar auf “Neues Interview
  1. RoM sagt:

    Yum tuv, Thomas.
    Freut mein literarisches Abenteuerherz, daß Hannah Peters sich wieder auf Expedition begibt. Wobei der von Historie nur so durchflochtene Irak eine perfekte Bühne bildet. Die Kulissen politischer Ränkespiele dürften ein Übriges einbringen.

    Da wünsche ich eine flink-leichte Schreibfeder!

    bonté

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